Food und Agriculture

Ethylen ist das Reifehormon. Klimakterische Früchte bilden es selbst und reagieren darauf — ein Zusammenhang, der die Lagerhaltung seit Jahrzehnten bestimmt. Die praktische Frage ist nicht, ob man Ethylen messen kann, sondern ab welcher Konzentration man es sehen muss. Und die Antwort fällt je nach Aufgabe um mehr als vier Grössenordnungen auseinander.

Die Konzentrationsbereiche, auf die es ankommt

Wir stellen die Zahlen an den Anfang, weil sie über Eignung und Nichteignung entscheiden. Der NZGS 2 hat für Ethylen eine im Datenblatt zugesicherte Nachweisgrenze von 400 ppb, also 0,4 ppm.

SituationEthylenkonzentrationNZGS 2, 400 ppb zugesichert
Reifekammer, gezielte Begasung100–150 ppm weit oberhalb — klar erfassbar
Lagerraum klimakterischer Früchte, gemessen0,014–4,9 ppm oberer Teil des Bereichs erfassbar
Auslösung irreversibler Reifung0,1–1,0 ppm teilweise, ab 0,4 ppm
Wirkschwelle auf Pflanzen allgemeinab etwa 0,1 ppm unterhalb der Nachweisgrenze
Empfehlung für empfindliche Wareunter 0,005 ppm rund 80-fach unterhalb — nicht erfassbar

400 ppb entsprechen 0,4 ppm. Der zugesicherte Wert stammt aus dem Datenblatt Rev. 3.3.0, bestimmt bei 25 °C und 45 % relativer Feuchte. Die Konzentrationsangaben zur Lagerung sind gärtnerische Erfahrungswerte aus der Fachliteratur und schwanken je nach Sorte, Temperatur und Lagerdauer.

Was das bedeutet Für die Steuerung von Reifekammern und für die Überwachung von Lagerräumen im oberen ppm-Bereich ist der Sensor geeignet. Für den Nachweis, dass ein Lager die Empfehlung von 0,005 ppm einhält, ist er es nicht — dieser Wert liegt rund achtzigfach unter der zugesicherten Nachweisgrenze. Wer diese Aufgabe hat, braucht ein anderes Verfahren, in der Regel Gaschromatografie oder Photoakustik.

Diese Abgrenzung steht bewusst weit oben. Ein Sensor, der in der falschen Anwendung eingebaut wird, erzeugt Vertrauen in eine Messung, die es nicht gibt — und das ist bei Lagerware teurer als gar keine Messung.

Reifekammer: der Fall, für den es passt

Beim gezielten Nachreifen wird Ethylen in Konzentrationen um 100 bis 150 ppm eingesetzt, bei Tomaten etwa 100 ppm über rund 48 Stunden. Das liegt zweieinhalb Grössenordnungen über der Nachweisgrenze.

Interessant ist hier nicht die Empfindlichkeit, sondern die Zuverlässigkeit über die Zeit. Eine Reifekammer ist warm, feucht und voller flüchtiger Verbindungen aus der Ware selbst. Der Sensor muss unter diesen Bedingungen stabil bleiben und darf nicht auf jedes andere Gas ansprechen, das gerade entsteht.

Warum Selektivität gerade hier zählt

Ein Lagerraum voller Obst ist gaschemisch alles andere als ruhig. Reifende und überlagerte Ware setzt frei:

  • Ethanol aus anaerober Gärung — der klassische Marker für beginnenden Verderb, besonders in Lagern mit reduziertem Sauerstoff.
  • Acetaldehyd und Ester, die den Fruchtduft ausmachen und mit dem Reifegrad zunehmen.
  • Terpene und weitere Verbindungen je nach Sorte.

Ein Sensor, der nur einen Summenwert ausgibt, sieht davon eine steigende Kurve und kann nicht sagen, ob die Ware reift oder verdirbt. Das ist aber genau die Unterscheidung, auf die es ankommt: Reifung ist erwünscht und steuerbar, Verderb ist ein Verlust.

Der NZGS 2 trägt vier Sensorelemente auf einem Chip von 1,15 × 1,15 mm. Weil jedes Element eine andere Schicht und eine andere Arbeitstemperatur hat, erzeugt ein Gasereignis vier verschiedene Signalverläufe. Aus deren Verhältnis wird der Stoff bestimmt. Wie das im Einzelnen funktioniert, steht auf der Technologieseite.

Ethanol als Verderbnismarker

Für Ethanol nennt das Datenblatt eine zugesicherte Nachweisgrenze von 30 ppb. Das ist mehr als eine Grössenordnung empfindlicher als bei Ethylen und liegt in einem Bereich, in dem beginnende Gärung erkennbar wird, bevor sie sichtbar oder riechbar ist.

In der Praxis ist das der interessantere Kanal. Ethylen sagt, dass Ware reift — das tut sie ohnehin und meist planmässig. Ethanol sagt, dass etwas aus dem Ruder läuft: zu wenig Sauerstoff, zu warm, eine beschädigte Charge. Beides zusammen ergibt ein Bild, das keiner der beiden Werte allein liefert.

Kühlkette und Transport

In Container und Auflieger gilt dieselbe Rechnung, unter schwierigeren Bedingungen: enger Bauraum, Erschütterung, wechselnde Temperatur und Feuchte, keine Wartungsmöglichkeit während der Fahrt. Formfaktor und Leistungsaufnahme entscheiden hier mit — ein Bauteil im QFN-8 mit 2,8 × 2,8 × 1,6 mm und rund 70 mW lässt sich unterbringen, ein Laborgerät nicht.

Zu beachten ist die Feuchte. Der zulässige Betriebsbereich reicht bis 90 % relative Feuchte, nicht kondensierend. In einem Kühlcontainer ist das eine echte Randbedingung, keine Formalie: Temperatur und Feuchte gehören mitgemessen, weil beide das Signal verschieben und die Kompensation sonst keine Datenbasis hat.

Ammoniak in der Kältetechnik

Grosse Kühlhäuser arbeiten häufig mit Ammoniak als Kältemittel. Ammoniak wird vom NZGS 2 nachgewiesen, das Datenblatt nennt dafür aber keine zugesicherte Nachweisgrenze. Messwerte und Prüfbedingungen lassen sich projektbezogen bestimmen.

Keine Sicherheitsfunktion Für die Leckerkennung an Ammoniakanlagen gelten eigene Vorschriften und zugelassene Gaswarnanlagen. Der NZGS 2 liefert einen Messwert, keine Sicherheitsfunktion, und ersetzt keine normgerechte Gaswarneinrichtung.

Was der Sensor in dieser Anwendung nicht leistet

  • Er erreicht die Lagerempfehlung für empfindliche Ware nicht. 0,005 ppm liegen weit unter der zugesicherten Nachweisgrenze. Das ist die wichtigste Einschränkung auf dieser Seite.
  • Er ist kein kalibriertes Analysegerät. Eine Nachweisgrenze sagt, ab wann ein Stoff sicher erkannt wird, nicht mit welcher Genauigkeit seine Konzentration angegeben werden kann. Für Konzentrationsangaben braucht es eine Kalibrierung auf den Anwendungsfall.
  • Er muss auf die Ware trainiert werden. Welche Stoffe sich trennen lassen, hängt von Sorte, Reifegrad, Temperatur und Lageratmosphäre ab. Eine Klassifikation für Äpfel im CA-Lager ist nicht dieselbe wie für Bananen in der Reifekammer.
  • Er altert und ist empfindlich. Basislinienverschiebung ist kompensierbar. Silikonverbindungen vergiften die Zinndioxid-Schicht dagegen irreversibel — das gehört bei Gehäuse, Dichtungen und Klebstoffen berücksichtigt.

Wie ein Projekt beginnt

Am Anfang steht die Frage, ob sich die Zielstoffe bei Ihrer Ware und Ihren Lagerbedingungen sauber trennen lassen. Das lässt sich nicht aus Kennwerten ableiten, sondern nur messen. Dafür gibt es das Evaluation Kit mit Auswerteelektronik und Software: Es nimmt die vier Signalverläufe auf, extrahiert die Merkmale und zeigt, ob die Zielstoffe im Merkmalsraum getrennte Bereiche bilden.

Aufgenommen werden Referenzluft für die Basislinie, die Zielstoffe in bekannten Konzentrationen und die Störgrössen, die im Lager realistisch vorkommen — dazu die Randbedingungen Temperatur und Feuchte über den erwarteten Bereich. Alle Kennwerte des Bauteils stehen im Datenblatt-Auszug.

Passt der Messbereich zu Ihrer Aufgabe?

Schreiben Sie uns, welche Ware Sie lagern und in welchem Konzentrationsbereich Sie messen müssen. Wenn 400 ppb für Ihre Anwendung zu grob sind, sagen wir das — und nennen Ihnen, was stattdessen infrage kommt.

Anfrage senden

Konzentrationsangaben zur Lagerung und Reifung nach gärtnerischer Fachliteratur und Nacherntepraxis; Sensorkennwerte nach NANOZ NZGS 2, Datenblatt Rev. 3.3.0.

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