Bei brennbaren Gasen wird die Sicherheitskette über die untere Explosionsgrenze ausgelegt. Die Alarmschwellen liegen dort im Prozentbereich — bei Wasserstoff also bei mehreren tausend ppm. Ein Sensor, der ppb auflöst, ist für diese Aufgabe nicht empfindlicher als nötig, sondern um Grössenordnungen zu empfindlich. Die Frage ist deshalb eine andere: Was fängt man mit dem Bereich darunter an?
Wir stellen das an den Anfang, weil es über die Belastbarkeit jeder weiteren Aussage entscheidet.
| Gas | Datenblatt Rev. 3.3.0 | Schicht | Typischer Anlass |
|---|---|---|---|
| Kohlenmonoxid (CO) | 900 ppb zugesichert | WO₃ | unvollständige Verbrennung an Kesseln, Brennern, Öfen |
| Wasserstoff (H₂) | nachgewiesen, keine zugesicherte Grenze | SnO₂ / WO₃ | Elektrolyseure, Brennstoffzellen, Batterieräume |
| Methan (CH₄) | nachgewiesen, keine zugesicherte Grenze | SnO₂ | Erdgas, Biogas, Deponien |
| Ammoniak (NH₃) | nachgewiesen, keine zugesicherte Grenze | SnO₂ | Kältetechnik, Düngemittel, SCR-Anlagen |
| Schwefelwasserstoff (H₂S) | nachgewiesen, keine zugesicherte Grenze | SnO₂ | Öl und Gas, Abwasser, Biogas |
Nur für CO nennt das Datenblatt unter den hier relevanten Gasen einen zugesicherten Wert. Für die übrigen sind Messwerte und Prüfbedingungen projektbezogen zu bestimmen — das ist Teil der Machbarkeitsprüfung, nicht ein Detail danach.
Wasserstoff ist ab 4 Volumenprozent in Luft zündfähig. Gaswarnanlagen alarmieren üblicherweise bei 10 bis 20 Prozent dieses Werts, damit Zeit zum Eingreifen bleibt.
| Gas | Untere Explosionsgrenze | Alarm bei 20 % UEG | in ppm |
|---|---|---|---|
| Wasserstoff | 4 Vol.-% | 0,8 Vol.-% | 8 000 ppm |
| Methan | 5 Vol.-% | 1,0 Vol.-% | 10 000 ppm |
8 000 ppm sind 0,8 Volumenprozent. Ein Sensor, der Stoffe im ppb-Bereich unterscheidet, arbeitet vier Grössenordnungen darunter. Für die Sicherheitsfunktion bringt das nichts — dort zählt nicht, wie früh man etwas sieht, sondern dass die Meldung zuverlässig, geprüft und zugelassen ist.
Der Nutzen liegt woanders: in der Zeit davor. Ein Leck beginnt nicht bei 0,8 Volumenprozent. Es beginnt klein und wächst. Wer die Anlage im Bereich weit unterhalb der Alarmschwelle beobachtet, sieht eine Undichtigkeit als Trend, bevor sie eine Sicherheitsfrage wird — und kann sie in einer geplanten Wartung beheben statt in einer Abschaltung.
Übliche Sensoren für brennbare Gase — katalytische Wärmetönungssensoren wie einfache MOx-Elemente — antworten auf alles Brennbare. Sie messen, dass etwas Brennbares da ist, nicht was. In einer Anlage, in der Wasserstoff, Methan, Kohlenmonoxid und Lösungsmitteldämpfe gleichzeitig vorkommen können, führt das zu genau den zwei Fehlern, die man nicht will:
Der NZGS 2 setzt hier an. Vier Sensorelemente auf einem Chip von 1,15 × 1,15 mm, zwei verschiedene Schichten, unterschiedliche Arbeitstemperaturen — ein Gasereignis erzeugt vier Signalverläufe, und der Stoff wird aus deren Verhältnis bestimmt statt aus der Höhe eines einzelnen Ausschlags. Das Verfahren steht auf der Technologieseite.
Unter den industriell relevanten Gasen ist CO das einzige mit einer zugesicherten Nachweisgrenze: 900 ppb, also rund 0,9 ppm. Erkannt wird es über die Wolframtrioxid-Schicht.
Das ist eine brauchbare Grössenordnung für die Frage, ob eine Verbrennung sauber läuft. Ein Kessel, ein Brenner oder ein Ofen, der zu wenig Luft bekommt, zeigt das im CO-Gehalt des Abgases, lange bevor es ein Sicherheitsthema wird. Als Kanal für Zustandsüberwachung und vorausschauende Wartung ist das der belastbarste Teil dieser Anwendung.
Ein Punkt, der früh geklärt gehört: Der NZGS 2 arbeitet mit zwei beheizten Elementen bei Heizerspannungen von 1,8 bis 2,2 V und rund 70 mW. Ein beheiztes Bauteil in einer möglicherweise explosionsfähigen Atmosphäre ist kein Zubehörthema.
Das ist die zweite Abgrenzung, und sie ist ebenso wichtig. Ortsfeste Gaswarnanlagen für brennbare Gase unterliegen eigenen Normen, unter anderem der Reihe EN 60079-29. Sie verlangen Selbstüberwachung, definierte Ansprechzeiten, regelmässige Funktionsprüfung mit Prüfgas und eine Zulassung.
Der NZGS 2 erfüllt diese Anforderungen nicht und ist nicht dafür gedacht. Er liefert einen Messwert. Wer eine Sicherheitsfunktion braucht, nimmt eine zugelassene Anlage — und kann den Sensor daneben für die Beobachtung des Bereichs darunter einsetzen. Nach unseren Bedingungen verlangt der Einsatz in sicherheitskritischen Anwendungen ohnehin eine gesonderte schriftliche Vereinbarung.
Weil für die meisten Gase dieser Anwendung keine zugesicherten Werte vorliegen, steht am Anfang zwingend eine Messung. Das Evaluation Kit mit Auswerteelektronik und Software nimmt die vier Signalverläufe auf, extrahiert die Merkmale und zeigt, ob sich Ihre Zielgase im Merkmalsraum von den Störgrössen Ihrer Anlage trennen lassen.
Gebraucht werden Referenzluft, die Zielgase in bekannten Konzentrationen und die Störgrössen, die am Einbauort realistisch vorkommen — in Industrieumgebungen typischerweise Lösungsmittel, Abgase und Reinigungsmittel. Dazu Temperatur und Feuchte über den erwarteten Bereich. Alle Kennwerte des Bauteils stehen im Datenblatt-Auszug.
Schreiben Sie uns, welche Gase in Ihrer Anlage vorkommen und welche Sie unterscheiden müssen. Wir sagen Ihnen, ob die Aufgabe lösbar ist — und wenn die zugesicherten Werte für Ihren Fall nicht ausreichen, sagen wir auch das.
Anfrage sendenExplosionsgrenzen nach allgemein anerkannten sicherheitstechnischen Kennzahlen; Sensorkennwerte nach NANOZ NZGS 2, Datenblatt Rev. 3.3.0. Normverweise dienen der Einordnung und ersetzen keine sicherheitstechnische Beurteilung des konkreten Geräts.
